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Neue Jugendeinrichtung in Mühlenbeck

Jugendclub Mühlenbeck

Beschlusstext:

Die Gemeindevertretung beschließt den Ersatzneubau des Jugendclub Mühlenbeck. Notwendige Mittel zur Planung und Realisierung sind in den Haushalt einzustellen.Des Weiteren ist zu überprüfen welche Fördermittel beantragt werden können.

Begründung:

Am 22.05.18 suchte der oben aufgeführte überfraktionelle Teilnehmerkreis den Jugendclub „Allround B 16“ in Mühlenbeck auf, um sich einen Eindruck über die aktuelle Situation und den baulichen Zustand dieser Einrichtung zu verschaffen.Der verantwortliche Jugendclubleiter, führte den Besucherkreis durch die Einrichtung und wies in diesem Zusammenhang auf die teilweise sehr gravierenden baulichen Missstände hin.

Bei dem besagten Jugendclub handelt es sich um ein ca. 200 qm großes Gebäude auf einem 1000 qm großen Grundstück.

Wenngleich das Clubgebäude auf den ersten oberflächlichen Blick einen durchaus akzeptablen Eindruck wegen seines ansprechenden Anstrichs hinterließ, sahen wir  err die aktuellen bausubstanziellen Probleme und Missstände.

Aufgrund der insgesamt sehr alten Bausubstanz wurde das Dach zunehmend undicht, woraufhin permanent Regenwasser und Feuchtigkeit sowohl in den Dachboden als auch in die Wandsubstanz eindringen konnte. Anzumerken ist hierbei, dass es sich bei dem Clubhaus um ein reines Holzgebäude handelt.  Die Feuchtigkeit führte letztendlich dazu, dass sich im Gebäude ein äußerst unangenehmer Geruch ausbreitete, der unter anderem sogar dazu führte, aufgrund dieses Umstandes keine „Externen“, wie Schulklassen, etc., mehr einladen zu können.

Das Feuchtigkeitsproblem wird zusätzlich noch durch die sehr alten und maroden Dachrinnen potenziert.

Der Jugendclub wird von den ansässigen Jugendlichen sehr stark frequentiert, teilweise treffen sich täglich bis zu 30 Personen in dem Gebäude.

Herr Brandt erörterte das umfangreiche Angebot an Freizeitaktivitäten.

Gesellschaftsspiele jedweder Art, Billard, handwerkliche Workshops, Kreativprojekte (Siebdruck, Musik), etc. werden angeboten.

Darüber hinaus werden von den Jugendlichen, unter der Obhut von Herrn Brandt, auch mannigfache Wassersportveranstaltungen, unter anderem auf den Feldberger Seen(Kanutouren) durch. Weiterhin werden auch Radtouren zur Ostsee initiiert und durchgeführt. Abgerundet wird dieses Programm durch das Angebot diverser Projektwochen, an denen teilweise komplette Schulkassen teilnehmen. Die Kooperation reduziert sich aktuell leider aufgrund des bereits erwähnten bautechnischen Zustandes.

Auch Jugendbegegnungs- und Austauschveranstaltungen, zum Beispiel mit Jugendlichen aus Polen, an denen bis zu 60 Personen teilnahmen, standen auf der „Agenda“ und erfreuten sich regen Zuspruchs.

Neben sportlichen Aktivitäten wird der Fokus aber auch auf die Gestaltung gesellschaftspolitischer Vorhaben gerichtet. Durch Besuche, zum Beispiel in der Gedenkstätte Ravensbrück, aber auch durch die Teilnahme an diversen Denkmal- und Grabpflegeaktionen, wird eine entsprechende geschichtliche Sensibilität bei den Jugendlichen geweckt und manifestiert.

Das weitläufige Grundstück ist für den Erhalt des Jugendclubs geradezu optimal, da in direkter unmittelbarer Nähe einerseits nur sehr wenige Nachbarn wohnen, die wegen der räumlichen Distanz nicht gestört werden können. Wenngleich der Club in Mühlenbeck selbst nicht zentral gelegen ist, hat man wegen der guten Erreichbarkeit stets das Gefühl, dennoch „nah dran“ zu sein.

Ein weiterer Standortvorteil besteht darin, dass der Club von den Jugendlichen sowohl von der Schule, von der Bushaltestelle, aber auch vom S-Bahnhof fußläufig sehr einfach zu erreichen ist. Abgerundet wird die Lage noch durch eine im Laufe der letzten Jahre gut ausgebaute Infrastruktur. Einkaufsmöglichkeiten, wie ALDI und Edeka, liegen quasi auf dem Weg zum Clubgebäude. Dies ist insofern ein sehr wichtiger Aspekt, als dass die meisten Jugendlichen sowohl altersbedingt als auch wegen ihrer finanziellen Situation nicht über ein eigenes Kraftfahrzeug verfügen. Die Anfahrt mit eigenen Fahrrädern und Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV)  sind somit unausweichlich.

Neben den sportlichen Möglichkeiten auf dem weitläufigen Gelände wird der Fokus aber auch auf das Gebäude gerichtet. Die Grundfläche von 200 qm ermöglicht es, den Jugendlichen stets die Möglichkeit einzuräumen, sich entsprechend ihrer sportlichen oder künstlerischen Neigungen in diverse Räumlichkeiten zurückzuziehen. Der Gefahr sich entwickelnden Dichtestresses oder etwaigen Aufkeimens aggressiver Grundstimmung kann somit schon im Keim entgegengewirkt werden.

Das Gebäude bietet wegen seiner Ausdehnung und durchdachter Zimmeraufteilung den Jugendlichen jederzeit die Möglichkeit, sich in diskrete Räumlichkeiten zurückziehen zu können, um beispielsweise familiäre, schulische und/oder beziehungsrelevante Konflikte erörtern zu können. Der Jugendclub fungiert hierbei auch als wichtiger emotionaler „Ankerplatz“ für die Jugendlichen. Für viele Jugendliche dient der Club besonders als Forum der Feierlichkeiten und Begegnung.

Im Falle eines Neubaus wird favorisiert, die Jugendlichen bei der Gestaltung der Innenräume zu beteiligen, um ihre Ideen und Vorstellungen entsprechend mit einfließen lassen zu können. Dieses Procedere würde eine noch höhere emotionale Bindung an den Club forcieren.

Ein definitiver und alternativloser Abriss des Clubgebäudes erscheint im besonderen Maße suboptimal und geradezu abwegig.

Wie bereits erwähnt, erfreut sich der Club bei den ansässigen Jugendlichen wegen seiner Lage und seines Freizeitangebotes einer ausgesprochen großen Beliebtheit und hat sich im Laufe vieler Jahre etabliert. Während seines Bestehens hat sich der Club in Mühlenbeck bereits zu einer kulturellen Einrichtung entwickelt. Durch einen endgültigen Verzicht auf dieses Clubareal würde vielen Jugendlichen eine sehr wichtige Anlaufstelle entzogen werden. Für viele Jugendliche dient diese Institution quasi als „Ersatzfamilie“, in der man langjährige, intensive Freundschaften nicht nur geschlossen, sondern auch gepflegt hat. Eine derartige Einrichtung hat eine sehr wichtige soziale und emotionale Funktion. Eine konstruktive, unterstützende Betreuung durch den Clubleiter ermöglicht es vielen Jugendlichen, ihr emotionales und soziales Selbstverständnis weiter zu entwickeln und in die richtigen „Bahnen zu lenken“. Bei dem hier fokussierten Club werden die Jugendlichen einerseits in der Ausbildungs- und Berufsfindung, mit anschließender Begleitung in der Bewerbungsphase, andererseits auch in der Bewältigung schulischer Herausforderungen tatkräftig unterstützt.

In der Vergangenheit war der Club bereits gefordert, über einen Zeitraum von 2 Monaten die Jugendlichen in anderen Clubeinrichtungen unterzubringen. Die Umsetzung des „Shuttle-Betriebs“ war nur eine der damit zusammenhängenden Herausforderrungen. Mittels eines Shuttle-Busses wurden die Jugendlichen zum entsprechenden Club gefahren, wobei hier pro Tour jeweils lediglich 9 Jugendliche  berücksichtigt werden konnten.

Eine restriktive Schließung dieser Einrichtung hätte katastrophale Auswirkungen für die Jugendlichen, da sie dann auf sich selbst gestellt wären und ihnen eine attraktive Freizeitgestaltungsmöglichkeit endgültig vorenthalten bliebe. Die Anfahrtsmöglichkeiten zu einer zentral gelegenen Einrichtung wären aus bereits oben erwähnten Gründen im besonderen Maße suboptimal.

Eine Zentralisierung der Clubeinrichtungen hätte auch den negativen Effekt, dass sich die Jugendlichen nicht mehr mit ihrer unmittelbaren Region und ihrer Einrichtung identifizieren können und sich unter anderem auch mit einer gefühlten  „Anonymisierung“ auseinander setzen müssten.

Bei diesem Gesamtvorhaben darf auch nicht der Umstand unberücksichtigt bleiben, dass die Region „Mühlenbecker Land“ besonders für Berliner aufgrund der exorbitanten Mietpreisentwicklung und der momentan sehr moderaten Zinspreispolitik ein äußerst attraktives Zuzugsareal bietet. Zunehmend junge Familien mit Kindern werden sich, mit steigender Tendenz, den Herausforderungen eines Immobilienerwerbs stellen. Insofern würde auch die Klientel, sprich die Jugendlichen, in den Clubs „nachwachsen“.